Entlasten Nichtraucher das Gesundheitssystem?

Nichtraucher entlasten das Gesundheitssystem, weil Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs und arterielle Durchblutungsstörungen (“Raucherbein”) signifikant sinken, und zwar bei den Rauchern selbst als auch bei den allzu oft mitbetroffenen Passivrauchern. Auch Bronchitis und eine Reihe weiterer Peripherieerkrankungen gehen deutlich zurück. Allerdings gibt es auch gegenläufige Studien, die höhere Gesundheitskosten für Nichtraucher durch die erhöhte Lebenserwartung belegen.

Studie versus Studie

Nachdem ab 2005 europaweit damit begonnen wurde, Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen und Gaststätten per Gesetz zu verordnen, folgten alsbald medizinische Studien, welche die heilsame Wirkung der Maßnahme wissenschaftlich belegten. Die ersten dieser Untersuchungen stammten aus Italien (2006), dort wurde der Rückgang der Herzinfarkte deutlich gemessen. Langzeitstudien aus den USA, wo es schon seit längerer Zeit Rauchverbote an vielen öffentlichen Orten gibt, belegen den Trend eindeutig. Herzinfarkte sanken dort in 18 Monaten nach Einführung von regionalen Rauchverboten um rund 30 Prozent.

In Schottland maß man einen Rückgang von Atemwegsproblemen um die Hälfte, Lungenfunktionen verbesserten sich bei ehemaligen Rauchern und Passivrauchern – vorrangig Mitarbeitern in der Gastronomie – um bis zu zehn Prozent. Wie wichtig gerade der Passivraucherschutz ist, wird durch die Zahl von etwa 30 Millionen Passivrauchern untermauert, die in Deutschland vor Beginn der gesetzlichen Maßnahmen ab 2008 von ihren rauchenden Mitbürgern gefährdet wurden.

Es gibt allerdings, so provokant es klingt, auch gegenläufige Studien, die höhere Kosten für das Gesundheitssystem durch gesündere Menschen nachweisen. Diese leben um so viele Jahre länger, dass sie gerade in ihren letzten Lebensjahren – etwa ab dem 77. bis 85. Lebensjahr – die Kassen deutlich belasten, wenn die Raucher (und Übergewichtige, Diabetiker und weitere Risikogruppen) im Durchschnitt verstorben sind.

Eine niederländische Studie aus dem Ende der 1990er Jahre belegte das mit folgenden Zahlen: Zwar verursachen die Risikogruppen, also auch Raucher, im Lebensalter zwischen 20 – 56 Jahren die meisten Gesundheitskosten, da sie aber durchschnittlich sieben Jahre früher versterben als die Gesunden, relativieren sich die Ausgaben. In Zahlen: Gesunde verursachten lebenslängliche Kosten von 417.000 Dollar, Raucher von 326.000 Dollar.

An der genannten Studie sind allerdings zwei Dinge fragwürdig: Zum einen der Blickwinkel, der überaus zynisch erscheint, selbst wenn die Zahlen stimmen sollten. Zum Zweiten (mit leisem Zweifel, ob die Statistik sinnvoll erhoben wurde oder wer die Studie finanziert hat): Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Anreize der Krankenversicherungen zum Nichtraucherschutz

Sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen honorieren den Nichtraucherschutz. Bei den gesetzlichen Kassen werden schon lange Nichtraucherkurse inklusive einer “Rauchfrei-Spritze” (200 Euro) übernommen, Grundlage ist der §20 der Präventionsvereinbarung. Ein Krankenkassen-Vergleich zeigt hier schnell entsprechende Angebote auf. Und private Kassen berechnen auch schon immer ihre Tarife nach dem Gesundheitszustand ihrer Versicherten, zum dem der Status “Raucher oder Nichtraucher” gehört. Diese Regelungen werden sukzessive verschärft. Ein PKV-Rechner zeigt hier schnell die Unterschiede bei gleichen Tarifen für Raucher und Nichtraucher auf.

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